So läuft der Betrug ab
Das Telefon klingelt, eine aufgeregte Stimme sagt „Rate mal, wer dran ist“ oder „Oma, erkennst du mich nicht?“. Wer jetzt einen Namen nennt, liefert dem Anrufer die Rolle, die er von da an spielt. Es folgt eine Notlage, die schnelles Geld verlangt — ein Unfall, eine Kaution, eine Operation, ein günstiger Wohnungskauf mit Notartermin am selben Tag. Der Betrag liegt oft im fünfstelligen Bereich, gern knapp unter dem, was die Person nach eigener Aussage besitzt. Weil der „Enkel“ angeblich verhindert ist, holt eine befreundete Person das Geld ab. Bis dahin ruft der Täter immer wieder an, damit niemand Zeit findet, mit der Familie zu sprechen.
Die Täter arbeiten aus Callcentern, oft im Ausland, und suchen ihre Ziele nach altmodisch klingenden Vornamen im Telefonbuch aus. Sie führen mehrere Gespräche parallel und geben die Abholung an Kuriere weiter, die vor Ort nur das Geld entgegennehmen. Erfahrene Anrufer begleiten die Angerufene am Handy bis zur Bank und sagen ihr vor, was sie dem Bankberater antworten soll, falls er nach dem Grund der Abhebung fragt. Genau diese Nachfrage am Schalter ist häufig die letzte Gelegenheit, den Betrug zu stoppen, und Bankmitarbeiter sind darauf inzwischen geschult.
Woran Sie ihn erkennen
Ein echter Enkel nennt seinen Namen, kennt Ihre Familie und hat es nicht eilig mit Ihrem Ersparten. Verdächtig ist jedes Gespräch, das mit einem Ratespiel beginnt, sehr schnell beim Geld landet und Sie zur Verschwiegenheit gegenüber Eltern oder Geschwistern verpflichtet. Auch die Übergabe an eine fremde Person, die angeblich im Auftrag des Verwandten kommt, gehört zu keiner echten Notlage. Stellen Sie Fragen, die nur die richtige Person beantworten kann, etwa nach dem Namen des Haustiers oder dem Ort des letzten Familienfests. Betrüger weichen aus, werden ungeduldig oder legen auf.
Was echte Angehörige und Behörden nie tun
Kein Notar, kein Krankenhaus und keine Polizei verlangt Bargeld, das eine unbekannte Person an der Haustür abholt. Ein Wohnungskauf scheitert nicht daran, dass die Kaufsumme erst morgen überwiesen wird, und eine Klinik behandelt Notfälle ohne Vorkasse durch die Großmutter. Auch die Bitte, das Geld in einer Tüte oder einem Umschlag bereitzulegen und dem Boten wortlos zu übergeben, hat mit keinem realen Vorgang etwas zu tun. Wer Sie drängt, das Gespräch nicht zu beenden und niemanden anzurufen, verfolgt nur ein Ziel, und das ist nicht Ihre Hilfe.
Wenn Sie schon bezahlt haben
Rufen Sie sofort die Polizei unter 110 an, auch wenn die Übergabe erst wenige Minuten zurückliegt. Kuriere werden regelmäßig in der Nähe des Übergabeorts festgenommen, wenn die Meldung schnell kommt. Notieren Sie alles, was Sie über den Anrufer und den Abholer wissen — Stimme, Alter, Kleidung, Fahrzeug, angezeigte Rufnummer. Erstatten Sie in jedem Fall Anzeige, das geht auch über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Reden Sie mit Ihrer Familie darüber, denn Scham hilft nur den Tätern. Wer die Tat verarbeiten möchte, erreicht das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS kostenfrei unter 116 006.
Woran Sie es erkennen
- Der Anrufer nennt seinen Namen nicht und lässt Sie raten, wer dran ist
- Es geht innerhalb weniger Minuten um Geld, meist um einen hohen Betrag
- Angeblicher Notfall mit Frist noch am selben Tag
- Sie sollen niemandem aus der Familie davon erzählen
- Eine fremde Person soll das Geld abholen, weil der Verwandte nicht kommen kann
- Der Anrufer will wissen, wie viel Geld Sie zu Hause oder auf dem Konto haben
Was zu tun ist
- Legen Sie auf und rufen Sie den Verwandten unter der Nummer an, die Sie gespeichert haben
- Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte, auch nicht im Auftrag der Familie
- Besprechen Sie jede Geldforderung mit einer Vertrauensperson, bevor Sie handeln
- Melden Sie verdächtige Anrufe der Polizei unter 110 und erstatten Sie Anzeige
- Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen oder streichen
- Prüfen Sie die angezeigte Rufnummer auf cislo.info und hinterlassen Sie dort Ihre Erfahrung für andere
Aktualisiert: